Keynes bezeichnete sich selbst als Sozialist. Er hatte recht.

Original von Edward W. Fuller erschienen bei mises.org
Übersetzt für „Die Marktradikalen“ von Andreas Tank.

Einführung

1997 veröffentlichte Ralph Raico einen Artikel mit dem Titel „Keynes and the Reds“. Raicos Artikel hob die Rezension von John Maynard Keynes über ein 1936 erschienenes Buch der britischen Sozialisten Sidney und Beatrice Webb mit dem Titel „Soviet Communism“ hervor. In seiner Rezension diskutiert Keynes die UdSSR von Joseph Stalin und kommt zu dem Schluss: „Das Ergebnis ist beeindruckend.“ Für Raico, einen Historiker in der klassischen liberalen Tradition, widerspricht diese Aussage der konventionellen Vorstellung, dass Keynes ein Musterliberaler war.

Leider stellen die Verteidiger von Keynes ihn immer noch als vorbildlichen Liberalen dar. Robert Skidelsky behauptet zum Beispiel: „Keynes war ein lebenslanger Liberaler“ und „Er war kein Sozialist“. Roger Backhouse und Bradley Bateman bestehen darauf: „Er war ein klassischer Liberaler in seiner Politik, der der individuellen Freiheit ebenso verbunden war wie der glühendste Libertäre, der zeitlebens den Sozialismus ablehnte.“

Dieser Artikel ist eine Fortsetzung von „Keynes and the Reds“. Er liefert weitere Beweise dafür, dass Keynes mit dem sowjetischen Sozialismus sympathisiert hat und kein aufrichtiger Liberaler war.

Die bolschewistische Revolution

Keynes war von Anfang an vom Sozialismus in Russland begeistert. Er feierte die bolschewistische Revolution von 1917. Am 8. März 1917 brach die Russische Revolution aus und Zar Nicholas II. dankte am 15. März ab. Die Aussicht auf eine sozialistische Revolution in Russland begeisterte Keynes, und er schrieb an seine Mutter:

Ich war ungeheuer begeistert und aufgeregt über die russischen Nachrichten. Es ist das einzige Ergebnis des Krieges, das es bisher wert ist, es zu haben. Zwischen den Sozialisten und den Miljukow-Konstitutionalisten findet jetzt ein scharfer und gleichmäßiger Kampf statt. Ich sehe jedoch nicht die geringste Chance einer pro-zarischen Konterrevolution.

John Maynard Keynes to Florence Ada Keynes, Mar. 30, 1917, PP/45/168/9/8–9, Papers of John Maynard Keynes, King’s College Archive Centre, Cambridge University.

Am 7. November 1917 übernahmen Wladimir Lenin und die Bolschewiki die Macht. Keynes verkündete glücklich: „Der einzige Weg, der mir offen steht, ist, lebhaft bolschewistisch zu sein.“ Im Dezember war er Mitbegründer des 1917 Club in London. Natürlich wurde der Club zum Gedenken an das Jahr der bolschewistischen Revolution benannt. Die Mitgliedschaft in Keynes‘ Club 1917 liest sich wie das Who-is-Who der britischen Sozialisten des 20. Jahrhunderts: G. D. H. Cole, Hugh Dalton, J. A. Hobson, Ramsay MacDonald, Oswald Mosley, John Strachey, H. G. Wells und Leonard Woolf.

Im Februar 1918 gab Keynes erneut zu, „Bolschewik“ zu sein. Der berühmte Journalist Clarence W. Barron, Gründer des Barrons Magazin, traf Keynes 1918 und schrieb: „Lady Cunard meinte, Keynes sei eine Art Sozialist, und mein Urteil ist, dass er die Art Sozialist ist, der nicht an die Familie glaubt.“

Keynes bezeichnete sich selbst als Bolschewik, aber was war das Wesen dieser Revolution? Wie Sean McMeekin schreibt: „In ihren ersten zwei Monaten an der Macht hatten die Bolschewiki das russische Volk nicht so sehr für sich gewonnen, sondern sie schikaniert und zur Unterwerfung geprügelt.“ Tragischerweise töteten Keynes‘ bolschewistische Genossen in den Monaten nach ihrer Machtübernahme über hunderttausend Russen.

Die 1920er

Von 1919 bis 1923 widmete Keynes den größten Teil seiner Energie den Finanzproblemen der Nachkriegszeit, blieb aber begeistert von dem sozialistischen Experiment in Russland. Er verkündete am 26. April 1922: „Ein außergewöhnliches Experiment des Sozialismus ist im Gange. Ich denke, es könnte solide Grundlagen geben, auf denen man eine Brücke bauen kann.“

Keynes schätzte Wladimir Lenin sehr. Am 6. Juli 1922 erklärte er, dass „[Lenins] politische Kontrolle der Angelegenheiten von hoher intellektueller Kompetenz war. Die Revolutionsgeschichten enthalten nichts Bemerkenswerteres oder kälter und prachtvoller Glänzendes als die Karriere Lenins.“

Sicherlich kann kein aufrechter Liberaler der Zustimmung Lenins durch Keynes zustimmen. Wie Robert Service schreibt: „Lenin verließ sich auf Diktatur und Terror.“ Lenins Regierung tötete über 4 Millionen Menschen ihrer eigenen Bevölkerung, was ihn zum fünftblutigsten Massenmörder des 20. Jahrhunderts machte. Bis 1923 hatte Lenins Regime über 350 Konzentrationslager in der UdSSR eröffnet. Diese Lager waren die Grundlage des Gulag-Systems, das schließlich „fast 40 Millionen Menschenleben verschlang“.

Keynes‘ Begeisterung für das sozialistische Experiment in Russland verband ihn mit seiner späteren Frau, der russischen Ballerina Lydia Lopokova. Wie ihr Biograf zugibt, hatte Lopokova „natürliche Sympathien für den Sozialismus“. Lopokova schrieb im April 1922 an Keynes: „Ich sehe, Sie haben Sympathien für Russland.“

Keynes beeindruckte Lopokova mit seinem Engagement in russischen bzw. „sowjetrepublikanischen“ Gesellschaften. Er schrieb ihr am 24. Februar 1924: „Ich lege dir zum Durchlesen ein Prospekt über die neue UdSSR-Gesellschaft bei, der ich zugestimmt habe beizutreten.“ Und am 10. Mai: „Ich lege einen Prospekt der neuen Gesellschaft bei, der ich beigetreten bin, um intellektuell mit Russen in Kontakt zu kommen!“

Was war diese neue UdSSR-Gesellschaft? Im Juli 1924 war Keynes Gründungsvizepräsident der Gesellschaft für Kulturbeziehungen mit der UdSSR (SCR). Der SCR war eine prosowjetische Gesellschaft, die von VOX (All-Union Society for Cultural Relations with Foreign Countries) gesteuert und finanziert wurde. VOX war die internationale Propagandaagentur der Sowjetregierung; es war im Wesentlichen eine Front für sozialistische Propaganda außerhalb der Sowjetunion. Keynes‘ Vizepräsidentschaft des SCR bedeutet, dass er mehr als ein Jahrzehnt lang mit der Propagandamaschinerie der Sowjetregierung zusammengearbeitet hatte, bevor er „The General Theory“ veröffentlichte.

Keynes heiratete Lopokova am 4. August 1925 und das Paar verbrachte mit dem SCR die Flitterwochen in der UdSSR. Keynes sprach am 14. September 1925 mit dem sowjetischen Politbüro. Leo Trotzki nahm als Vorsitzender des technisch-wissenschaftlichen Industrieausschusses teil. Trotzki identifizierte Keynes als Sozialisten: „Selbst der eher progressive Ökonom, Herr Keynes hat uns erst neulich gesagt, dass die Rettung der englischen Wirtschaft im Malthusianismus liegt! Auch für England führt der Weg der Überwindung der Widersprüche zwischen Stadt und Land über den Sozialismus.“ Als Keynes zurückkehrte, berichtete Virginia Woolf, dass „Maynard eine Reihe [sowjetischer] Medaillen aus Diamanten hat“.

Keynes wandte sich nach seiner Reise in die Sowjetunion an den SCR. Er erklärte: „In den nächsten fünfzig Jahren würde die UdSSR einen größeren Beitrag zur Welt leisten als jedes andere europäische Land.“ Zum Zeitpunkt dieser Erklärung hatten die Sowjets bereits 5 Millionen ihrer eigenen Leute getötet.

Keynes war sich der Brutalität der Sowjets durchaus bewusst. Tatsächlich führte er die Brutalität auf die „Bestialität“ der „russischen und jüdischen Natur“ zurück. Er wollte „das Ziel [der UdSSR] erreichen“, aber „nicht auf diese [bestialische] Weise“:

Die Stimmung der Unterdrückung … ist die Frucht der Roten Revolution – es gibt viel in Russland, das einen zum Beten veranlassen sollte, dass das eigene Land sein Ziel nicht auf diese Weise erreicht. Teilweise ist es vielleicht die Frucht einer gewissen Bestialität in der russischen Natur – oder in der russischen und jüdischen Natur, wenn sie, wie jetzt, miteinander verbündet sind. Aber zum Teil ist es ein Gesicht der überragenden Ernsthaftigkeit des roten Russlands, der hohen Seriosität, der auf der anderen Seite als Geist der Euphorie erscheint… verdeckt unter der Grausamkeit und Dummheit des neuen Russlands mag sich ein Hauch Idealismus verbergen.

The Collected Writings of John Maynard Keynes, vol. 9, pp. 270–71.

Keynes fühlte sich Mitte der 1920er Jahre immer enger mit Sidney und Beatrice Webb verbunden. Im Jahr 1926 berichtete Virginia Woolf: „Die Keynes‘, Lydia und Maynard, unterliegen beide vollständig dem Einfluss der Webbs…Der große Keynes … liegt ihr [Beatrice] zu Füßen.“ In diesem Jahr besuchte er die sozialistische Sommerschule, und Beatrice notierte: „Ich kenne keinen anderen Mann, der herausfinden könnte, wie man den Reichtum [oder die Produktionsmittel] von Nationen im öffentlichen Interesse kontrolliert.“

Auf dem politischen Spektrum positionierte sich Keynes so weit links wie nur irgend möglich. Tatsächlich betrachtete er sich selbst als noch weiter links als Sidney Webb: „Ich habe in meinen Gedanken mit den Möglichkeiten größerer sozialer Veränderungen gespielt, als sie in die gegenwärtigen [sozialistischen] Philosophien von, sagen wir, Mr. Sidney Webb fallen….Die Republik meiner Vorstellung liegt ganz links im Himmelsraum.“ Diese Aussage führte Rod O’Donnell zu der richtigen Schlussfolgerung, dass „[Keynes] Vision jenseits des Fabianischen Sozialismus der Webbs lag“.

Die Sowjets erwiderten Keynes‘ Wertschätzung. 1927 lud ihn die Sowjetregierung in die UdSSR ein, um den zehnten Jahrestag der bolschewistischen Revolution zu feiern. Am 16. Oktober 1927 schrieb er an seine Frau: „Ich war gestern Abend sehr geschmeichelt, als ich die beiliegende Einladung der Bolschewiki erhielt, nächsten Monat nach Russland zu reisen, um das zehnte Jahr der Republik zu feiern. Mein erster Impuls war es die Einladung anzunehmen (unter der Annahme, dass die Einladung dich einschließt)….Die Idee ist sehr anziehend.“

Keynes besuchte die Sowjetunion 1928. Bei seiner Rückkehr stellte er fest, dass die Sowjetunion „viel normaler ist, als irgendjemand hier denkt“. Die Sowjetregierung hatte bereits 7 Millionen Menschen ihrer eigenen Bevölkerung getötet.

1930 –Die Allgemeine Theorie

Keynes war Anfang der 1930er Jahre eng mit der britischen sozialistischen Bewegung verbunden. Er war assoziiertes Mitglied des New Fabian Research Bureau. Dies war Großbritanniens führende sozialistische Denkfabrik, geleitet von seinem 1917-Clubkollegen und SCR-Mitglied G. D. H. Cole. Keynes engagierte sich auch bei seiner Schwesterorganisation, der Society for Socialist Inquiry and Propaganda. Am 13. Dezember 1931 hielt er vor dieser Gesellschaft eine Rede mit dem Titel „Ein Überblick über die gegenwärtige Stellung des Sozialismus“.

Keynes war ein wichtiger Wirtschaftsberater von Großbritanniens erstem sozialistischen Premierminister, seinem alten Freund Ramsey MacDonald aus dem 1917 Club. Keynes betrachtete sich selbst als einen radikaleren Sozialisten als MacDonald und Hugh Dalton, ein weiteres Mitglied des 1917 Clubs. Im Juni 1930 bezeichnete sich Keynes bei einem Treffen mit diesen Männern als „der einzige Sozialist der Gegenwart“. Beatrice Webb stimmte zu und sagte: „[Keynes ist] sicherlich weiter fortgeschritten als MacDonald.“

1923 kaufte Keynes „Nation and Athenaeum“, eine politische Wochenzeitung. Anfang 1931 hatte er sie mit dem „New Statesman“, Großbritanniens führender sozialistischer Zeitung, fusioniert. Diese Zeitung war 1913 von seinen engen Freunden, den Webbs, gegründet worden. Die gemeinsame Zeitung hieß „New Statesman and Nation“, und Keynes war der neue Vorstandsvorsitzende. Von Februar 1931 bis zu seinem Tod im April 1946 war Keynes Vorsitzender der führenden sozialistischen Zeitung Großbritanniens.

Robert Skidelsky gibt zu, dass Keynes‘ Zeitung „Sympathie für den Sowjetkommunismus“ hegte. Um Keynes jedoch vom schlechten Ruf des Stalinismus zu distanzieren, wälzte Skidelsky die Schuld für die pro-sowjetische Haltung der Zeitung auf den Herausgeber Kingsley Martin ab. Wie Roy Harrod, Keynes‘ offizieller Biograf, besteht Skidelsky darauf, dass „der „New Statesman“ unverkennbar Kingsley Martins war“.

Erstens forderte Keynes selbst, dass der Sozialist Martin der Redakteur bei den Fusionsverhandlungen wurde. Zweitens fragte Keynes Martin, ob er die Zeitung sozialistisch machen würde, und Martin sagte ihm, dass er dies tun würde. „Zufällig war dies die richtige Antwort: Keynes war in seiner Politik ein Sozialist.“ Schließlich widersprach Martin selbst Skidelskys Behauptung, Keynes sei nur ein distanzierter Vorsitzender einer prosowjetischen Zeitung:

Maynard war der einzige aktive Direktor des „N.S.& N.“ Bis zu seinem Tod im Jahr 1946 trafen wir uns häufig in seinem Haus in Sussex in Tilton oder in seinem Haus am Gordon Square….Sein Biograf, Sir Roy Harrod [ebenso wie Skidelsky], erwähnt seine enge Verbindung mit der Nation und sagt dann, dass er im Laufe der Jahre die Sympathien für die Politik des N.S. & N. verloren habe. Doch dies ist nicht der Fall.

Editor: New Statesman Years, 1931–1945 (Chicago, Henry Regnery Company, 1970), p. 41.

Keynes‘ Hauptwerk „The General Theory of Employment, Interest and Money“ wurde am 4. Februar 1936 veröffentlicht. E.S. Goller schrieb am 16. April desselben Jahres im Daily Worker: „Mit viel zu verlieren und wenig zu gewinnen war Keynes einer der Hauptorganisatoren des Kongresses für Frieden und Freundschaft mit der UdSSR in Cambridge. Wo Keynes‘ Sympathien liegen, ist leicht zu beurteilen.“ Der Kongress für Frieden und Freundschaft mit der UdSSR, den Keynes mitorganisierte, war eine „britischsowjetische Frontorganisation“. A.L. Rowse schrieb in seiner Rezension der „General Theory“:

In jedem einzelnen Punkt, ohne eine einzige Ausnahme, stimmt sie voll und ganz mit der [sozialistischen] Labour-Politik überein….Kein Wunder, dass Herr Cole die Bücher lautstark als „das wichtigste theoretische ökonomische Schriftstück seit Marx‘ Kapital“ bezeichnet hat…Herr Coles Aussage ist gerechtfertigt… das Werk kann beschrieben werden als die Grundlage für eine sozialistische Wirtschaftsform, zum ersten Mal in diesem Land.

Keynes: Contemporary Responses to the General Theory (Bristol, UK: Thoemmes Press, 1999), p. 111.

John Buchan und Keynes waren Mitglieder eines Dinnerclubs namens Other Club, und sie speisten über ein Jahrzehnt lang regelmäßig zusammen. Kurz nach der Veröffentlichung von „The General Theory“ beschrieb Buchan Keynes als „höflichen Kommunisten“. Buchan notierte: „Seine Leitlinie ist, dass er den Kapitalismus verachtet“. Keynes bekräftigte: „Der Privatkapitalismus ist eine veraltete Institution.“

Keynes erklärte nur 119 Tage nach Veröffentlichung von „The General Theory : „Bis vor kurzem verliefen die Ereignisse im [stalinistischen] Russland zu schnell und die Kluft zwischen den Papierberufen und den tatsächlichen Errungenschaften war zu groß, als dass eine angemessene Darstellung möglich wäre. Aber das neue System ist jetzt ausreichend ausgewachsen, um sich einer Überprüfung zu unterziehen. Das Resultat ist beeindruckend.

Kein aufrechter Liberaler könnte Keynes dahingehend zustimmen, dass das stalinistische Russland „beeindruckend“ war. Die Zeit der Kollektivierung in der UdSSR fiel mit der Entwicklung und Veröffentlichung der „The General Theory“ zusammen. In dieser Zeit hatte Stalin „100 Millionen Menschen versklavt“ und 11,5 Millionen seiner eigenen Leute waren getötet worden. Außerdem baute Stalin in dieser Zeit sein Gulag-System von Konzentrationslagern rasch aus. Als er 1953 starb, hatte Stalin etwa 55 Millionen Menschen getötet, was ihn zum blutigsten Massenmörder der Menschheitsgeschichte machte. Wie Raico betont hat, zeigt Keynes‘ Behauptung von 1936, dass das stalinistische Russland „beeindruckend“ sei, dass er kein echter Liberaler war.

Keynes‘ spätere Jahre

1939 lobte Keynes den Left Book Club. Er rief aus: „Wie töricht ist es, den Left Book Club zu verachten?! Er ist sicherlich eine der schönsten und lebendigsten Bewegungen unserer Zeit.“ Was war der Left Book Club? „The Communist Party and the Left Book Club“ wurde im Mai 1938 veröffentlicht und ließ verlauten: „Die kommunistische Partei Großbritanniens nutzt den Left Book Club als Kanal für revolutionäre Propaganda und Aktivitäten.“

Darüber hinaus zeigt dieses Dokument, dass Keynes‘ SCR mit dem Left Book Club verbunden war. Wie bereits erwähnt, war Keynes 1924 Gründungsvizepräsident des SCR und dieser wurde von der sowjetischen Regierung finanziert und kontrolliert. Das Flussdiagramm im Dokument zeigt, dass der Left Book Club Verbindungen zu den „Propagandaabteilungen der Sowjetregierung und der Kommunistischen Internationale“ unterhielt. Kurz gesagt, Keynes‘ Befürwortung des Left Book Club war eine Befürwortung der britischen Kommunistischen Partei und damit auch der Sowjets.

Stafford Cripps war der Neffe der Webbs und wurde 1950 Präsident der Fabian Society. In den frühen 1930er Jahren war er stellvertretender Sekretär des New Fabian Research Bureau und ein wichtiger Geldgeber der Society for Socialist Inquiry and Propaganda. In den späten 1930er Jahren versuchte Cripps, die sozialistische Labour-Partei mit der Kommunistischen Partei zu vereinen. Keynes rief 1939 aus: „Ich bin vollständig auf der Seite von Sir Stafford Cripps, und ich würde mich seiner Bewegung anschließen.“ Er sagte zu Cripps: „Ich hege große Sympathien für das, was Sie tun.“ Keynes stellte zu dieser Zeit fest: „Die Frage ist, ob wir bereit sind, aus dem Laissez-faire des 19. Jahrhunderts heraus in eine Ära des liberalen Sozialismus überzugehen.“

1939 lobte Keynes „das großartige Material der jungen Amateurkommunisten“. Hier lobte er die Kommunisten der Cambridge Apostles, einer Gesellschaft in Cambridge, der er am 28. Februar 1903 beitrat. In den 1930er Jahren „war Keynes eindeutig der intellektuelle Führer und das aktivste Mitglied der Gesellschaft“ und „er handelte als Vaterfigur für die Apostel“. Keynes kontrollierte den Eintritt in die Gesellschaft und eine sozialistische Orientierung war „zu dieser Zeit eine Voraussetzung für die Wahl zu den Aposteln“.

Die Cambridge Five waren ein berüchtigter sowjetischer Spionagering in Cambridge. Alle der Cambridge Five waren Mitglieder von Keynes‘ Aposteln und mindestens acht der Apostel waren bestätigte sowjetische Spione: Guy Burgess, Kim Philby, Michael Straight, Anthony Blunt, Donald Maclean, Guy Lidell, John Cairncross und Leo Long. Außer diesen acht operierten noch mindestens vierzig weitere sowjetische Spione in der Umgebung von Cambridge. Bis heute waren Forscher nicht in der Lage, etwa vierzig Codenamen (einschließlich Poet, Chaffeur und Professor) mit bestimmten Personen zu verknüpfen.

Keynes leitete die britische Staatskasse während des Zweiten Weltkriegs. „Er war die Schatzkammer“, berichtet Skidelsky. Im Juli 1944 ging Keynes zur Bretton WoodsKonferenz, um das Weltwährungssystem der Nachkriegszeit zu entwerfen. Sein amerikanischer Amtskollege war der Beamte des US-Finanzministeriums Harry Dexter White. Keynes und White waren die beiden Hauptverantwortlichen für das entstandene Währungssystem der Nachkriegszeit.

Heute ist allgemein bekannt, dass White ein sowjetischer Spion war. Während er 1944 in Bretton Woods mit White zusammenarbeitete, war Keynes Vizepräsident des SCR. Das bedeutet, dass das Währungssystem der Nachkriegszeit von zwei Männern mit Verbindungen zur sozialistischen Regierung der UdSSR entworfen wurde. Natürlich ging das KeynesWhite-Geldsystem in das aktuelle Weltwährungssystem über.

Fazit

Ralph Raico stellte die Idee in Frage, dass Keynes ein aufrechter Liberaler sei. Zweifellos hatte Raico Recht. Im Gegensatz zu sympathischen Kommentatoren stand Keynes nicht in der Tradition des aufrechten Liberalismus. Vielmehr, wie O’Donnell feststellt, „stellte sich Keynes eine bestimmte Form des Sozialismus vor und vertrat diese“ und „er ist klar, explizit und unzweideutig; er benutzte den Begriff Sozialismus, um seine eigenen Ansichten zu charakterisieren.“

Quellenverzeichnis im Original Artikel:
https://mises.org/wire/keynes-called-himself-socialist-he-was-right